BLOOD DAWN

Reviewed by Barney Wertung

Forgotten Tales – All The Sinners

Dass die kanadische Power-Metal-Szene nicht besonders berühmt ist, ist eigentlich kein Geheimnis. Umso erstaunlicher ist das, was FORGOTTEN TALES mit ihrem Zweitwerk „All The Sinners“ präsentieren: Power-Metal vollgepackt mit Melodien verschiedenster Art, ohne dabei die Power zu vernachlässigen. Das ganze wird komplettiert durch eine Sängerin, die in dem Genre ihresgleichen sucht: Sonia Pineault; nicht nur optisch, sondern auch stimmlich nicht zu verachten. Die meisten werden sich jetzt denken: „Oh nein, nicht noch ein NIGHTWISH-Klon!!“, aber das ist hier absolut nicht der Fall, denn Sonia hat mit Operngesang absolut nichts am Hut! Kraftvoller und variabler Gesang ist ihre Stärke. Die Musik ist also nicht auf eine Frauenstimme zugeschnitten, doch diese passt hier hervorragend! Die insgesamt zehn Stücke umfassende CD ist aufgeteilt in die aus sechs Songs bestehenden „Pagan Chronicles“ und vier eigenständige Lieder.

 Klassisch beginnen jene Chronicles, doch nach dem Intro „Hideaway“ geht es mit einer Menge Spielfreude los. Variantenreichtum wird in „Lady Of The Forest“ groß geschrieben, sowohl was die Geschwindigkeit angeht, als auch die Instrumente betreffend. Hier einmal sehr Keyboard-lastig, dann wieder mehr Gitarren-orientiert, das kanadische Quintett legt also großen Wert auf Vielfältigkeit. Gleiches gilt für den Titeltrack, der mit einem tollen Refrain glänzt. „Wind Oh Wind“ ist eine schleppende Ballade, bei dem Keyboard anfangs im Vordergrund steht, ehe fast durchweg doppelläufige Gitarren dem Stück eine Wendung geben. Das Instrumental „The Message“ beginnt als das genaue Gegenteil vom Vorgänger, nämlich sehr schnell. Ein Stück, in dem Gitarrist und Songschreiber Martin Desharnais klassische Einflüsse erkennen lässt. Nach dem furiosen Auftakt wird der Song dann langsamer, doch es folgt ein Wechselspiel zwischen schnell und langsam. Das Keyboard wird hier übrigens nur begleitend eingesetzt, der Song steht ganz im Zeichen der Axt. „March For Freedom“ ist das Finale der „Pagan Chronicles“ und eher weniger spektakulär. Einem Finale ist es jedoch würdig, da der Refrain sehr episch und fast „monumental“ angelegt ist. Im Gegensatz zu den vorigen Stücken kommt sogar Keyboarder Frédérick Desroches zu einem kleinen Solo. Das erste Stück nach dem „Sixpack“ ist das fast neunminütige „Three Wishes“. Die fast durchweg schnelle Nummer hat aber auch ein paar langsamere Parts, beispielsweise kommt Pat Vir am Bass zu einem kleinen Solo, doch alles in allem zieht sich der schnelle Refrain als roter Faden durch den gesamten Song.

„Fairytales“ erinnert an eine Mischung aus RHAPSODY und FREEDOM CALL mit einem kleinen Schuss STRATOVARIUS, doch Sonias Stimme tut ihr übriges, um dem Song eine halbwegs eigene Note zu verleihen. Wäre zu Beginn von „My Soul“ nicht das Cembalo-Intro, so wäre ein richtiger Stampfer und Banger aus dem Song geworden. So hört sich das Stück zu Beginn aber eher wie ein „Black Diamond“-Abklatsch an. Zum Glück verfliegt dieser Eindruck, sobald das Cembalo aufhört, es entwickelt sich ein langsamer Song, in dem Sonia einmal mehr ihr gesamtes Können aufbietet, was vor allem in Refrain eindrucksvoll zur Geltung kommt. Am Schluss der CD steht „Magic Fountain“, ein mittelschneller Song, der von dem variablen Riffing dominiert wird. Das Keyboard übt zwar keine leitende Funktion aus, doch die Rolle als Begleitung im Hintergrund steht dem Song gut! Etwas mehr Eigenständigkeit würde man sich fast wünschen, dennoch ist das zweite Album der Franko-Kanadier FORGOTTEN TALES nicht zu verachten. Die souverän auftretende SoniaPineault avanciert zwar zum Star der Band, doch Songwriter und Gitarrist Martin Desharnais fällt durch sein Riffing positiv auf. Die gesamte Band präsentiert sich sehr tight und spielt gut zusammen, bleibt also nur zu hoffen, dass „All The Sinners“ auch bald in Deutschland erhältlich sein wird! Einen Vorgeschmack in MP3-Form gibt es schon mal auf der Homepage der Band.

Note : 4,5/5