VAMPSTER
Reviewed by
Andreas Holz
Forgotten Tales - The Promise
Glaubt man dem
Manager von FORGOTTEN TALES, einem Herrn Rene Pineault, herrschen in
Kanada schlimme Zustände. Im Vorwort zu dieser Eigenproduktion beschreibt
der junge Mann nämlich anschaulich den Notstand des nordamerikanischen
Landes an Melodic Metal-Bands. Dieser Mensch hat nämlich sein ganzes Leben
dem Melodic Metal europäischer Prägung (GAMMA RAY, BLIND GUARDIAN,
RHAPSODY, STRATOVARIUS etc.) gewidmet und leidet sehr darunter, daß
keine dieser zig Bands, die er aufzählt, es jemals für nötig
gehalten hat, nach Kanada zu kommen, um dort Konzerte zu geben. Ich verstehe
diesen Mann nicht, denn ich hätte sicherlich längst die Brocken
hingeschmissen, wütende Briefe nach Europa geschickt und meine
Lieblingsbands zur Sau gemacht. Nicht so Pineault. Er ist ein Idealist; und so
hat er Nägel mit Köpfen gemacht und seine eigene Band
zusammengestellt, nach dem Motto "eine gute Juke-Box ist besser als gar
kein Original".
Dabei
herausgekommen ist eine Art "SEX PISTOLS des Melodic Metals"
(denn auch diese wurden einst von einem Manager zusammengestellt) - die Band FORGOTTEN
TALES; zunächst konzipiert, um Coversongs zu spielen, entstanden dann
plötzlich eigene Songs, und nun, nach etwa zehn Jahren, nachdem der Mann
sein Projekt gestartet hat, ist die Zeit gekommen, diese auf die Menschheit
loszulassen. Dabei scheute man weder Kosten noch Mühe, denn "The
Promise" ist ungeachtet des Fehlens eines Labels so dermaßen perfekt
produziert und aufgemacht, daß man sich fragt, wie reich der Mann
eigentlich ist. Das Booklet und die Soundqualität jedenfalls sind von
einem STRATOVARIUS- oder GAMMA RAY-Album kaum zu unterscheiden.
Leider ist dies dann auch die Musik. Man merkt eben an allen Ecken, daß FORGOTTEN
TALES ursprünglich eine Coverband waren.
Auch der Fakt,
daß hier eine Sängerin die Stimmbänder nutzt, kann nicht die
Vorwürfe des Kopierens übertünchen. Und dennoch - allein schon
der Idealismus und der Spaß, der hinter diesem Projekt steckt, machen es sympathisch.
Die Songs sind dabei im übrigen auch alles andere als schlecht, und
handwerklich ist wie gesagt alles so gut wie perfekt. Ich jedenfalls habe mich
in meiner Eigenschaft als GAMMA RAY- und STRATOVARIUS-
Verächter nach einigen Durchläufen nicht schaudernd abgewandt, und
wenn man das als Indikator nimmt, kann man davon ausgehen, daß Fans der
angesprochenen Bands hier vollauf richtig liegen. Melodien gibt es zuhauf,
sogar richtig gute, Balladen sind vorhanden, flotte Mitsing-Nummern, und eine
Sängerin, die es wirklich drauf hat. Deshalb gibt es dann wohl auch keinen
Grund, nicht auf www.forgottentales.com zu gehen, um sich dieses Werk ins Haus zu holen. Unterstützt
wahre Enthusiasten,sie haben es verdient!
Note : N/A